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Ab und an entfernt sich der Blogwart von vertrauter Tastatur und Bildschirm, um sich ein wenig auf Zeitreisen zu begeben. Nach Bonn Bad Godesberg beispielsweise, den Älteren unter uns noch aus Zeiten bekannt, als Bundeskanzler noch Adenauer, Brandt oder Kohl hießen. Und den Jüngeren natürlich wegen HARIBO.

Auf der L 158 Richtung Stadtmitte blitzte es kurz am Straßenrand und ich war ich bereit für einen Zeitensprung: Zurück in die Zeit, in der ein Fabrikverkauf noch Fabrikverkauf und noch nicht „Factory Outlet“ hieß. In der die Gebäudearchitektur noch dem Motto „function follows function“ folgte und damit für die Ewigkeit gemacht war.

Ja, und genauso sah er dann auch aus, der Fabrikverkauf von HARIBO: Original 50er Jahre mit einem Schuss 70er. Der hauseigene Slogan – übrigens seit 1935 im Einsatz – erstreckt sich von der linken bis auf die rechte Fassadenseite, weshalb er am Stück kaum zu lesen ist. Warum auch, schließlich kennt ihn schon seit Generationen eh jedes Kind. Ach, ja – und der Fabrikverkauf heißt tatsächlich auch so.

Drinnen dann der riesige Verkaufsraum mit einem Charme, der früher Aldi vorbehalten war. Grelles Neonlicht, lange Gänge, die Waren gestapelt und nicht präsentiert. Aber alles in Hülle und Fülle vorhanden – nur eines sucht man hier vergeblich: Die langen Gesichter, die uns sonst so beim Einkaufen begegnen. Denn hier, im ungestylten Paradies der Süßigkeiten, wird der Firmenslogan von den zahlreich anwesenden Kunden augenscheinlich gelebt: Haribo macht Kinder froh – und Erwachsene ebenso.

 

Der Blogwart

 

PS.: Ich wurde für diesen Beitrag von Haribo nicht mit Naturalien oder sonst wie entlohnt.

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Während sich halb Deutschland schunkelnd durch die Lande bewegt, richtet sich der Blick der werbetreibenden Wirtschaft schon auf das nächste Großereignis: Den Valentinstag. Schlag auf Schlag geht es in diesem Jahr, Aschermittwoch hin, St. Valentin her.

Traditionell gilt der 14. Februar als Tag der Liebenden und der Floristen. Auch die Schokoladenhersteller ließen sich nicht lumpen und boten allerlei süße Liebesbekundungen an. Und so war Mann, ausgestattet mit einem Blumenstrauß und etwas Schokolade schon auf der sicheren Seite und das Wohlwollen der Angebeteten war gewiss.

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Tja, so war das. Und was müssen die Augen hoffnungsloser Romantiker heute sehen? Mit einer Bierzapfanlage soll um die Gunst der Holden geworben werben.

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Oder ihr eine herzhafte Currywurst serviert werden, immerhin mit zwei Döschen Sekt.

Seufz: Leute, rettet die Romantik. Kauft Schokolade oder Blumen. Geht essen – zur Not tut es auch das Mc Valentine’s-Menü. Und die anderen Sachen hebt euch für den St. Super Bowl-Tag auf, den Tag der Spielenden.

 

Der Blogwart

 

P.S.: Die hübsche Zeichnung ganz oben verdanken wir dem Süddeutsche Zeitung Magazin.

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Alle Jahre wieder geistern Umfragen durchs Land, die sich mit der Beliebtheit und Vertrauenswürdigkeit unterschiedlicher Berufsgruppen befassen. Regelmäßig landen wir Werber da auf den letzten Rängen, Kopf an Kopf mit Politikern und der Versicherungsbranche. Ja, das tut weh, mimimi.

Dass die Feuerwehr und all die Berufe, die sich um unser Wohlergehen kümmern, ganz vorne im Ranking stehen, ist mehr als berechtigt. Aber dass es uns derart auf die hintersten Ränge haut …?

Ja, womit haben wir das verdient? Wenn ich mich in der Agentur so umschaue, sehe ich sehr engagierte Leute, die sich für ihren Job regelmäßig den Allerwertesten aufreißen. Für die Überstunden was ganz Normales sind. Die natürlich auch in ihrer Freizeit zu erreichen sind. Die sich bemühen, selbst für das allerlangweiligste und überflüssigste Produkt eine zündende Idee zu entwickeln. Die bei Schnellschüssen oder nicht vorhandenem Briefings nicht lang meckern – sondern machen. Oder die bei Verlagen eine Druckunterlagenschlussverlängerung erbetteln, damit der Kunde auch noch die allerletzte Änderung der Änderung in die Anzeige bekommt.

 

Das alles ist Werber-Alltag. Und wird selten mit einem coolen Shooting in der Karibik oder wildem, ausschweifenden Werber-Leben belohnt – geschweige denn mit einem einfachen „Danke!“. Aber auch der Blick auf den Agenturparkplatz zeigt: weit und breit kein dicker Porsche.

Trotzdem: Werber zu sein macht Spaß. Wenn man dabei etwas Respekt und Vertrauen genießt, umso mehr.

So, da haben wir doch einen schönen Weihnachtswunsch!

 

Der Blogwart.

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Mal geschieht es eher zurückhaltend am Ende eines Anzeigentextes. Meist aber laut und unübersehbar in fetten Großbuchstaben an prominenter Stelle: Mein Freund, der „Call to Action“, krawallt wieder durch die Werbewelt. Am Black Friday und Cyber Monday trieb er es besonders wild.

„Jetzt kaufen!“ „Jetzt ordern!“ „Jetzt buchen!“: So schallt es dem verunsicherten Konsumenten in strammem Befehlston entgegen, fernab der sonst gebräuchlichen Höflichkeit. Der weiß nun, was er zu tun hat, folgt der imperativen Handlungsaufforderung und greift zum Portemonnaie.

Ja, wenn es so einfach wäre.

„Lies weiter!“:

Kaufen wir etwas, weil drunter steht: „Jetzt kaufen!“? Rufen wir an, weil da steht: „Ruf an!“? Okay, im drittklassigen Shopping-TV mag das funktionieren. Aber hat man schon mal unter einer Porsche-Anzeige ein „Kauf mich!“ entdeckt? Eben, den will man auch so. Das legt die Vermutung nahe: Je mehr Einzigartigkeit geboten wird, desto weniger Call to Action.

„Jetzt zuhören!“:

Ja, der Ton macht die Musik, auch in der Werbung. Und ich finde es befremdlich, wenn Unternehmen mir den Imperativ entgegenschleudern und in Befehlsform mit mir kommunizieren. Denn ich bin doch der König Kunde, und so spricht man doch nicht mit seiner Majestät. Seriös und respektvoll ist anders, als so mit dem Holzhämmerchen. Und jetzt:

„Hör‘ auf zu lesen!“

Oh, scheint ja doch zu funktionieren, der Call to Action. Oder?

Der Blogwart.

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Auf meinen Streifzügen durch den – lokalen wie den onlineigen – Einzelhandel im Schwerpunkt Süßwaren werde ich verlässlich von jahreszeitlich bedingten Produkten begrüßt: Weihnachtsmänner, Osterhasen, Halloweene füllen in allen denkbaren Variationen die Regale. Doch halt – fehlt da nicht wer? Pferd, Mantel, Bettler – muss ich mehr sagen? Und wieso ist das so?

Es ist überfällig, die Genusswarenhersteller auf eine verpasste Chance hinzuweisen: Das Sankt Martins-Merchandising. Einzig das pfiffige Bäckerhandwerk hat diese Chance frühzeitig erkannt und bietet mit der Martinsbrezel Umsatzhaltiges an. Wo aber bleiben Haribo „Süsse Mäntelchen“ (teilbar), Ferrero „Lampion“ und Bahlsen „Knabberfackeln“?   Oder die „Leuchtende Laterne“ von Kleiner Feigling?

Bei Playmobil ist man da schon weiter, nur kann man das Zeug leider nicht essen.

In diesem Sinne: Rabimmel Rabammel Rabumm

Der Blogwart.

Weg ist er, unser geschätzter Mark N. Mut. Viele Blogs lang hat er uns mit Neuem, Skurillem, Spannendem und auch Nachdenklichem unterhalten. Great Job. Unbelievable.

Nur – was kommt jetzt? Etwa Langeweile? Wäre auch eine Option, IKEA geht ja aktuell mit diesem Spot mutig voran.

4.29 Minuten Langeweile in Reinkultur. Bffft…

Da kann es hier ja nur besser werden.  Das hofft jedenfalls:

Der Blogwart.

Einige von euch werden sich wahrscheinlich bereits gefragt haben, wo denn der nächste Blogeintrag bleibt und was Mark N. Mut in der Zwischenzeit so treibt. Ich kann euch garantieren, dass dieses Unterfangen nicht in Vergessenheit geraten ist, sondern es vielmehr zu einem Umbruch kommen wird. So werde ich die Feder nach dem heutigen Blog sprichwörtlich weitergeben an meinen lieben Kollegen, der euch ab dem kommenden Monat über die neusten Entwicklungen bei Markenmut, der Agenturlandschaft oder der Werbebranche allgemein auf dem Laufenden halten wird.

Heute gilt es also auf Wiedersehen zu sagen. Good Bye. Arrivederci. Au revoir. Wie nah allerdings manchmal ein Abschied und ein Beginn beieinander liegen, das lässt sich nicht nur momentan an diesem Blog beobachten, es ist auch manchmal ein Thema in der Werbung. So zum Beispiel bei der meiner Meinung nach sehr gelungenen Anzeige für Frisk Minzbonbons, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

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Und damit hoffe ich nun abschließend, dass zukünftig auch mein Kollege euren Alltag ab und an erfrischen kann – ich zumindest habe diesbezüglich vollstes Vertrauen!

Es war mir immer eine Freude,

euer Mark N. Mut

Für Düfte zu werben ist in einem Medium, das eben keine Gerüche übermitteln kann, immer eine herausfordernde Aufgabe. Umso beeindruckender finde ich die neue Werbung von Kenzo World. Die ist nämlich verdammt cool. Und wisst ihr, was noch cool ist? Gut riechen! Das ist alles. Mehr Assoziation brauche ich nicht und der fast vierminütige Spot, der einfach mal so gar nichts mit Parfüm zu tun hat und eigentlich auch mehr Feel Good Movie als klassischer Werbespot ist, schafft es wirklich, dass ich ein Teil ihrer Welt sein will. Mission erfüllt würde ich sagen. Und das ganz unaufdringlich, easy, einfach cool. Seht selbst!

Wenn ich also in Zukunft so durch die Agentur zappele, wisst ihr jetzt wenigstens, warum. Und sehr wahrscheinlich werde ich dabei sogar äußerst angenehm duften!

Euer Mark N. Mut

Gestern hat Apple das neue iPhone 7 vorgestellt, das bereits im Vorfeld kontrovers diskutiert wurde. Immerhin hat das Smartphone zum Entsetzen vieler Menschen keine Kopfhörerbuchse mehr. Viele potentielle Kunden werden dadurch wohl vergrault werden – so zumindest das Bild, das sich beim Durchforsten verschiedenster Internetseiten ergibt. Aber wir sind nicht hier um über die technischen Spezifikation irgendwelcher Geräte zu beleuchten, sondern es soll um Werbung gehen.

Und gerade da war Apple ja lange Zeit absolute Spitze, wobei sie meiner Meinung nach in den letzten Jahren wirklich nachgelassen haben. Umso überraschender kam da der neue Spot, der so ganz und garnicht nach Apple aussieht. Der ist frech, innovativ und vor allem eins: schnell! Zwei Minuten lang nicht blinken wird da direkt am Anfang gefordet. Und das diese Forderung nicht zuviel verspricht, davon könnt ihr euch jetzt selbst überzeugen.

Ein Knaller, oder? Da hat der kalifornische Konzern sich wirklich neu erfunden, und dabei gleich selbst übertroffen. Nach dem Betrachten des Spots fühlt man sich direkt aufgeputscht, irgendwie voller Energie. Und irgendwie vergisst man dabei so „Nebensächlichkeiten“ wie die fehlende Klinke-Buchse. Gute Werbung stimmt eben sanft und verträglich 🙂

Bis zum nächsten Mal,

euer Mark N. Mut

Es ist ja allgemein bekannt, dass es eine ganz schöne Stange Geld kostet, offiziell mit olympischen Symbolen und Partnerschaften werben zu dürfen. Wenn man nicht gerade Coca Cola oder McDonald’s ist, könnte es einem da schon mal schwer fallen, die 100-200 Millionen Dollar Budget aufzutreiben, die dafür immer wieder berichtet werden. Und wann man das nicht getan hat, erwähnt man die olympischen Spiele besser nicht in der Marketingstrategie. Aber warum sind die Regeln eigentlich mittlerweile so streng, dass das IOC extra eine ganze Schar Anwälte dafür beschäftigen muss. Bedankt euch bei Nike!

Bei den Sommerspielen 1996 im schönen Atlanta wollte Nike mal so richtig die Grenzen testen. Damals waren die Regeln noch nicht so streng, aber gekostet hat die Werbepartnerschaft natürlich schon immer. Michael Johnson absolvierte an einem besonders spannenden Nachmittag ein beeindruckendes 400 Meter Rennen, in dem er nach 43,49 Sekunden alle Kontrahenten hinter sich gelassen hatte. Und das gelang ihm mit einem besonderen Accessoire, das stilecht immer wieder im Fokus der Kamera war: 30.000 $ teure, goldene Schuhe – gesponsert von Nike.

Tage später war er dann mit eben diesem Schuhen, um den Hals geschlungen, auch auf dem Cover der Times. Glücklicher kann ein olympischer Sponsor doch gar nicht werden, oder?

Dabei gibt es nur das Problem, dass Nike eben keiner war. Und Reebok, die 50 Millionen Dollar dafür hingeblättert hatten, einer zu sein, fand das gar nicht gut. Lange Geschichte – kurzer Sinn: Keine war froh darüber, außer Nike (na gut, wahrscheinlich auch Michael Johnson, aus anderen Gründen) und deswegen haben wir jetzt den Salat. Dankeschön!

Bis zum nächsten Mal,

euer Mark N. Mut